Pressemitteilung zur Diskussion um die Wiederinbetriebnahme der Lumdatalbahn


Lumdatalbahn-Verein widerspricht Nutzen-Kosten-Untersuchung des RMV

Jeder Meter der Lumdatalbahn ist sein Geld wert

Die am 09.09. in Gießen vorgestellte Nutzen- Kosten- Untersuchung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes RMV bescheinigt der Lumdatalbahn prinzipiell Chancen, erteilt dem Abschnitt Allendorf/Lumda – Rabenau-Londorf der Lumdatalbahn jedoch eine Absage. Zu hoch seien die Kosten, verursacht vor allem durch die Häufung von Brückenbauwerken auf dieser Teilstrecke. Zudem lägen die Fahrgastzahlen auf diesem hintersten Stück der Lumdatalbahn am niedrigsten. Argumente, die der Verein Lumdatalbahn e.V. (LB e.V.) nicht unwidersprochen lässt.

Nach Ansicht des Vereins besteht kein Zweifel, die für die Gemeinde Rabenau wichtige Investition unter Nutzung aller Einsparpotenziale dennoch zu tätigen. Begreift man die Inbetriebnahme der Bahn als aktive Strukturförderung des ländlichen Raums, dann muss sie den ländlichen Raum auch tatsächlich erreichen und wieder bis Londorf fahren.

LB e.V. - Vorsitzender Michael Laux: „Die Wohnorte mit Hilfe der Bahn attraktiver zu gestalten, gelingt daher am besten in Allendorf und Rabenau. Hier sind die Fahrzeiteinsparungen gegenüber dem Bus am größten.“ Ob das RMV-Gutachten diese sozialen und ökologischen Effekte auf den ländlichen Raum überhaupt würdigt, will der LB e.V. in den nächsten Wochen eingehend bewerten.

Für den Verein ist es außerdem in Ordnung, dass die letzte Teilstrecke vor dem Endbahnhof über eher niedrige Fahrgastzahlen verfügt. Das ist bei der anerkannt erfolgreichen „Taunusbahn“ nicht anders. Deren hinterster Abschnitt von Grävenwiesbach nach Brandoberndorf wurde für prognostizierte 300 Fahrgäste pro Tag sogar komplett wiederaufgebaut. Diese Strecke verfügt außerdem über einen Tunnel, der den Unterhaltungsaufwand der Lumdatalbahn-Brücken noch übertrifft und zurzeit für 10 Mio Euro saniert wird.


Park & Ride und Buszubringer stärken Rabenau

 Außerdem sprechen auch technische Gründe dafür, die Bahn nicht in Allendorf/Lumda enden zu lassen. Rabenau-Londorf ist der am besten geeignete Ort für die Anlage von P+R-Plätzen, und auch die Zubringerbusse lassen sich dort gut an die Schiene heranführen. Die dafür benötigten Flächen fehlen in Allendorf/Lumda. Von einem Umsteigeknoten profitiert übrigens auch der örtliche Einzelhandel, denn viele Fahrgäste, die mit dem PKW den Bahnhof aufsuchen, kaufen nach der Arbeit oder dem Studientag noch ein.

Nach Beobachtung des LB e.V. werden Gutachten zu Streckenreaktivierungen oder zur Modernisierung von Bahnstrecken für den Regionalverkehr häufig sehr kritisch angelegt. Der Erfolg der erneuerten Strecken überrascht dann die Verantwortlichen, so dass schon vielfach mit Nachbesserungen auf die hohe Fahrgastnachfrage reagiert werden musste. Ein aktuelles Beispiel in Hessen ist die Odenwaldbahn, für die mehrmals weitere Fahrzeuge beschafft werden mussten, um den Anstieg der Fahrgastzahlen nach der Modernisierung bewältigen zu können. Auch die Edertalbahn wird über die Erwartungen hinaus gut angenommen, obwohl sie sich erst seit gut einem Jahr wieder in Betrieb befindet.

"Wenn die Lumdatalbahn fährt, werden die Nutzerzahlen deutlich über der sehr verhaltenen RMV-Prognose von knapp 2000 Fahrgästen pro Tag bis Londorf liegen“, so Michael Laux. Das bescheinigt im Übrigen auch die Vorstufenuntersuchung, die an diesem Punkt in bemerkenswerter Weise dem Hauptgutachten widerspricht. Ältere Untersuchungen hatten für die Lumdatalbahn sogar bis zu 4.000 Fahrgäste pro Tag prognostiziert, es wurden aber damals keine politischen Beschlüsse für die Wiederinbetriebnahme gefasst. Die Fahrgastzahlen im Regionalverkehr auf der Schiene steigen deutschlandweit Jahr für Jahr, zwischen 1996 und 2013 beispielsweise von 1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden.