Lumdatalbahn

Die frühen Jahrzehnte der Lumdatalbahn bis 1963

Streckenskizze der Lumdatalbahn mit den Stationen und den Streckenkilometern. Da der Bahnbau in Grünberg begann, lag dort auch der Streckenkilometer Null.
Bauarbeiten zur Lumdatalbahn
Eine Aufnahme aus der Bauzeit der Lumdatalbahn, vermutlich in den Jahren 1901 oder 1902 entstanden. Zu sehen sind vorab verlegte Feldbahngleise. Sammlung Wolfgang Richter, Buseck
Ein Bauzug auf der gerade fertig gestellten Brücke über die Landstraße zwischen Allendorf/Lumda und Londorf. Aus heutiger Sicht faszinierend ist die Sorgfalt, mit der solche Aufnahmen damals, in den jungen Jahren der Fotografie, in Szene gesetzt wurden. Ferner der Umstand, dass auch die ganz normalen Arbeiter auf das Bild kamen, nicht nur hochrangige Vertreter der Politik oder der Wirtschaft.
Foto: Sammlung Karl Wagner
Lange vor dem Internet und Social Media hatten Postkarten die Aufgabe, aktuelles Geschehen zu bebildern. Aus der Bauzeit der Lumdatalbahn ist diese interessante Karte erhalten. Sie zeigt unter anderem den Bahnhof Mainzlar im Bau, der anfangs den Doppelnamen Mainzlar-Daubringen trug, wie auf dem Bild schwach erkennbar ist. Der Hintergrund dieser Doppelbenennung ist nicht ganz klar, schließlich hatte Daubringen auch von Anfang an den eigenen Haltepunkt an der Straße nach Staufenberg. Möglicherweise hing die Namensgebung mit den erweiterten Möglichkeiten für den örtlichen Güterverkehr zusammen, welche der Bahnhof in Mainzlar gegenüber dem kleinen Haltepunkt besaß.
Sammlung Horst Jeckel
“Bestellen Sie Ihren Lieben schöne Grüße!”
Diese Karte aus Treis wurde 1905 verschickt. Dem Kartenverlag war der damals neue Bahnhof wichtig genug, um ihn neben dem offenbar bedeutendsten Gasthaus des Ortes in die Bildauswahl aufzunehmen. Leider ist die Lokomotive nur ausschnittsweise abgebildet. Sammlung Werner Heibertshausen
In vielen Orten setzte nach dem Bau der Eisenbahn ein regelrechter Bauboom rund um die neuen Stationen ein. Entlang vieler „Bahnhofstraßen“ spiegelt sich diese Epoche noch heute in der Architektur wider. Das galt auch für Allendorf / Lumda, wo das „Gasthaus Bahnhof“ ungefähr zeitgleich mit der Station entstand. In späteren Jahrzehnten war es ein angesagtes Tanzlokal, im Volksmund „Horn“ genannt. Legende ist, dass dieser Name gewählt wurde, weil dort der eine oder andere Ehemann „gehörnt“ worden wäre. Mit einem Trauschein verbrieft ist dagegen die Tatsache, dass dort mindestens ein Aktiver des Vereins Lumdatalbahn e.V. seine große Liebe fand. Auf der Postkarte sorgt die früher übliche Retusche für eine besondere optische Nähe von Bahnhof und Gasthaus. In Wirklichkeit steht das heute noch existierende Lokal einige Meter weiter vom Gleis entfernt.
Sammlung Heimatverein Allendorf / Lumda
Aufnahme des Bahnhofs Treis und der Zehntscheune um 1950. Für die Qualität des angebauten Gemüses war es offensichtlich unerheblich, dass nebenan regelmäßig der Dampfzug vorbeifuhr. Foto: Christel Bergen / Sammlung Reiner Wisker
Der große Platz vor dem Bahnhof Londorf wurde früher für Veranstaltungen genutzt, so auch für den „Mai-Aufmarsch“ am 1.5.1933, den dieses Bild wahrscheinlich zeigt. Das hier sichtbare Empfangsgebäude wurde in der ersten Hälfte der 1990er Jahre von der Gemeinde gekauft. Der völlig marode Güterschuppen wurde abgerissen und stattdessen der Bürgersaal errichtet. Er passt zur Architektur des Stationsgebäudes. Der Saal bietet etwa 80 Personen Platz. Dort fanden auch schon verschiedene Veranstaltungen des LB e.V. statt. Sammlung Wilma Opper

Das Fahrplanangebot der frühen 1930er Jahre. Der Hinweis „Teilzahlung gestattet“ in der Annonce von Spenglermeister Hans Alt kann als Symbol für die wirtschaftlich schwierige Zwischenkriegszeit gewertet werden.
Sammlung Stefan Sitzmann
Ein Fahrplan des ersten Nachkriegsjahres 1946. Gegenüber der im Textteil „110 Jahre Schienen im Lumdatal“ abgebildeten Tabelle vom September 1945 ist das Fahrplanangebot bereits wieder auf vier Zugpaare ausgeweitet worden. Allerdings liegt der östliche Endpunkt kriegsbedingt nach wie vor in Lumda. Der letzte am Tag von Lollar abfahrende Zug verkehrt nur bis Londorf, um seine Fahrt am folgenden Morgen als erster Zug nach Lumda fortzusetzen. Aus heutiger Sicht ungewohnt ist, dass die jeweils rechte Fahrplantabelle „von unten nach oben“ gelesen werden musste, wenn die Stationen in der Mitte aufgelistet waren.
Sammlung Peter Kreuter
Ein Dampfzug mit einer Lokomotive der Baureihe 86 erreicht Allendorf/Lumda aus Richtung Grünberg kommend. Die Aufnahme entstand im Jahr 1943 mit einer Kamera des Wetzlarer Herstellers Ernst Leitz, einer „Leica“. Der Junge im Bild ist der Sohn des Bildautors Ernst Heibertshausen, Werner Heibertshausen. Bemerkenswert ist die Anordnung des abgeernteten Getreides in Form von „Hausten“. Dies diente zum Trocknen. Sammlung Heibertshausen
Auch das „Abflämmen“ ganzer Felder gehört schon lange nicht mehr zu den gängigen Landwirtschaftstechniken. 1955 sorgte das Feuer zusammen mit der Schafherde und dem zwischen Treis und Allendorf/Lumda Richtung Grünberg fahrenden Personenzug noch für ein reizvolles Fotomotiv. Die Zuglok gehört hier der Baureihe 56 an. Foto: Rolf Klose
Der Einsatz von Dieseltriebwagen bedeutete eine Rationalisierung gegenüber dem Lokbetrieb, konnte aber den Personenverkehr zwischen Grünberg und Londorf nicht retten. Im letzten Betriebsjahr 1963 fährt eine Triebwagen-Garnitur der Baureihe VT 60.5 aus Londorf und wird nach wenigen hundert Metern in Kesselbach halten. Foto: Friedel Schöneweiß / Sammlung Peter Kreuter
Einer der ab 1939 gebauten Dieseltriebwagen wird mit seinem Steuerwagen auf diesem Bild bald Odenhausen an der Lumda erreichen.
 Foto: Walter Hubalek / Sammlung Peter Kreuter
Personenverkehr im Bahnhof Allendorf/Lumda Ende der 1950er Jahre. Der Zug wurde auf seinem Weg nach Gießen von einer der damals auf Nebenbahnen weit verbreiteten Lokomotiven der Baureihe 86 gezogen. Foto: Kurt Wiessner
Der Pfarrer (im Ruhestand) und Eisenbahnfreund Kurt Burlein hat sein fotographisches Werk akribisch dokumentiert. Die Zugnummer (P 3738), die wichtigsten Daten der Lok (Baureihe 86, Ordnungsnummer 384, Betriebswerk Wetzlar) und der genaue Aufnahmezeitpunkt (18.54 Uhr) sind notiert. Selbstverständlich auch die Tatsache, dass der Zug an diesem Tag im Mai 1963 um 18.47 Uhr Planabfahrt in Grünberg hatte. Die romantische Fotostelle hinter der Ausfahrt von Grünberg auf dem Weg nach Beltershein passierte der Zug somit einige Minuten verspätet. Man beachte den sorgsam ausgewählten Fotostandort mit Blick auf Kirche, Signal und einen der damals allgegenwärtigen Telegrafenmaste. Foto: Kurt Burlein
Bis 1963 war Grünberg auf zwei Wegen per Bahn von Gießen aus erreichbar. Der Personenzug auf Gleis 1 wird die nördliche Route durchs schöne Lumdatal nehmen. Das Foto entstand im Sommer 1961. Sammlung Andreas Knipping
Der Bahnsteig des Bahnhofs Kesselbach eignete sich offenbar auch für einen Sonntagsspaziergang. Sammlung Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen LAGIS
Schienen-Abbauzug im Winter 1963/64 in der Nähe der Station Lumda. Schon wenige Monate nach der Stilllegung wurden zwischen Grünberg und Londorf vollendete Tatsachen geschaffen. Foto: Willi Bornträger / Sammlung Peter Kreuter
Auch schon 1963 gab es Bürgerproteste gegen die Einstellung des Zugverkehrs. Im Bild ist das Stationsgebäude von Kesselbach zu sehen. Foto: Friedel Schöneweiß / Sammlung Peter Kreuter

 

Als Ersatz für die Züge wurde eine „Bahnbuslinie“ eingerichtet. Die abgebildete Fahrt im Jahr 1965 wurde offensichtlich von sehr wenigen Fahrgästen genutzt. Foto: Willi Bornträger / Sammlung Peter Kreuter

 

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